Familie

1, 2, 3 – Windelfrei

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Seit etwas mehr als drei Wochen ist unser großer Sohn windelfrei. Da es rückblickend von jetzt auf gleich ohne Windel funktionierte, möchte ich dir in meinem heutigen Post erzählen, wie wir ganz entspannt von der Windel loskamen und warum ich mich heute über mich selber ärgere.

Bereits im vergangenen Sommer versuchten wir unserem Sohn die Windel abzugewöhnen, denn bekanntlich sollte dieses am besten zur warmen Jahreszeit und wenn die Kinder wenig Kleidung tragen funktionieren. Mein Wunsch war, dass er vor dem Kindergartenstart Anfang September trocken wäre. Das gleichaltrige Kinder bereits trocken waren oder Sprüche wie: „Wenn du die Windeln waschen müsstest, wäre dein Kind schon längst trocken.“ „Trägt er etwa noch eine Windel?“ – machten mich innerlich zusätzlich nervös und ich wünschte mir nichts sehnlicher als ein windelfreies Kind.

Ich versuchte also immer wieder auf ihn einzureden und fragte, ob wir es nicht einmal ohne Windel versuchen möchten. Ich freute mich riesig, als er eines Tages schließlich einwilligte. Wir zogen die Windel aus und ich hatte den Anschein, dass er sich prompt wohl fühlte und auch ein wenig stolz auf sich war.
Jedoch began ich zu diesem Zeitpunkt einen großen Fehler, denn ich fragte ihn gefühlt alle 15 Minuten, ob er Pipi machen müsste. Oftmals klappte es, oftmals nicht. Wenn es klappte, belohnte ich ihn manchmal sogar mit Gummibärchen. Wenn es nicht klappte, redete ich gut auf ihn ein und sagte, dass es ja mal passieren könne. Wir zogen den ganzen Prozess ungefähr eine Woche durch und meines Erachtens wurde es von Tag zu Tag besser. Tagsüber war er windelfrei und es ging nur sehr selten etwas in die Hose. Lediglich nachts und zum Mittagsschlaf zog ich ihm eine Windel an. Ich war so unbeschreiblich stolz auf meinen großen, kleinen Jungen.

In der zweiten Woche wendete sich das Blatt, denn er bestand fest darauf eine Windel zu tragen. Ich habe geredet, versprochen, gemacht und getan. Nichts half. Er brauchte wieder eine Windel.

Ich gab auf und ließ ihn mit dem Thema in Ruhe.

Ein halbes Jahr später. Unser großer Sohn ist mittlerweile ein Kindergartenkind und hat sich enorm weiterentwickelt. Er hat innerhalb dieser kurzen Zeit viel von den Erzieherinnen und den anderen Kindern gelernt. Vor etwas mehr als drei Wochen sagte er dann von jetzt auf gleich: „Mama, ich brauche heute keine Windel.“

Ich schaute ihn perplex an und antwortete kurzerhand: „Gut, dann lassen wir sie einfach aus.“ Anschließend gingen wir gemeinsam ins Bad, dort erklärte ich ihm die einzelnen Vorgänge, vor, während und nach dem Pipi machen und schob einen kleinen Hocker vor die Toilette, damit er sich ohne meine Hilfe hinsetzen konnte.

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Mehr tat ich nicht. Ich schwieg. Und wenn es mir noch so auf der Zunge brannte, um nach dem Pipi-machen zu fragen, ich schwieg!

Seit diesem Tag ist unser Sohn windelfrei. Ohne viel Gerede und ohne großen Aufwand Er hat sich ganz alleine für diesen Schritt entschieden und macht es seitdem unheimlich toll.

Heute weiß ich, dass ich meinen Sohn mit meinem Gerede und der Fragerei so sehr unter Druck gesetzt habe, dass das Ganze nach hinten losging. Und auch für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, ihm bei den Lernprozessen keinen Stress zu machen. Irgendwann kommt alles von ganz alleine – und manchmal ist weniger Fragerei einfach mehr wert. Wobei ich mich vermutlich von den ganzen Aussagen um mich herum dorthin habe leiten lassen, denn normal bin ich in solchen Themen viel entspannter. Dazu fällt mir eigentlich nur dies ein:

Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu
Die meisten Leute haben ja nichts Besseres zu tun
Lass die Leute reden bei Tag und auch bei Nacht
Lass die Leute reden, das hab’n die immer schon gemacht

Die Ärzte – Lasse reden

4 Kommentare zu “1, 2, 3 – Windelfrei

  1. Das klingt ka super! So wünsche ich mir das auch!
    Und die Ärzte sind sowieso immer eine gute Wahl, nicht nur für Zitate 😉
    Ganz liebe Grüße!

    • nordhessenmami

      Da hast du Recht, liebe Nätty. 🙂
      Ich denke, wenn ihr entspannt an das Thema ran geht, dann wird eure Kleine das auch ganz prima meistern.

      Alles Liebe,
      Carina

  2. Bei meiner Großen hat es auch länger gedauert als ich dachte. Sie war mit ganz vielen Dingen so weit vor, da dachte ich es wäre logisch, dass das auch turboschnell klappt, hahaha.
    Heute bin ich mega entspannt (was bleibt mir auch anderes übrig mit meinem 2. Töchterlein 😉 ) und mir ist weniger wichtig was andere Eltern sagen, schlimm finde ich es nur, wenn die Kinder untereinander anfangen sich deshalb zu ärgern.

    Ich muss mich so sehr für deine Karte bedanken, das war eine tolle Überraschung, Daaaanke <3

    • nordhessenmami

      Liebe Martina,

      ich freue mich immer sehr über deine tollen und ehrlichen Kommentare. Vielen Dank <3

      Ich glaube, dass man sich beim ersten Kind generell immer zu viele Gedanken macht. Man möchte mit den anderen Kindern und Mamis mithalten. Es ist nahezu ein Konkurrenzkamp. Mittlerweile weiß ich zum Glück, dass es das gar nicht sein muss, denn jedes Kind hat sein eigenes Tempo, die einen sind eben schneller und die anderen brauchen etwas länger.

      Wobei ich es auch gemein finde, wenn die Kinder sich dann Gegenseitig aufziehen. 🙁

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