Familienleben

Mama, warum muss ich in den Kindergarten?

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Auf dem Weg zum Kindergarten fragte mich mein Sohn vor kurzem plötzlich aus dem Nichts heraus: „Mama, warum muss ich jetzt eigentlich jeden Tag in den Kindergarten gehen?“
Mein Atem stockte für einen kleinen Moment, dann aber antwortete ich: „Weil du nun ein großer Junge bist. Du bist drei Jahre alt und alle Kinder gehen mit drei Jahren in den Kindergarten.“ Er akzeptierte meine Antwort.
Mir hingegen wurde beim genaueren Überlegen klar, dass meine Antwort nicht richtig war. Kein Kind muss, weil es drei Jahre alt ist in den Kindergarten gehen, zumal bei uns in Hessen noch nicht einmal eine Kindergartenpflicht besteht.

Ja, warum geht er eigentlich in den Kindergarten und bleibt nicht bei mir und dem kleinen Bruder zu Hause. Diese Frage beschäftigte mich dann doch mehr als erwartet.

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Zum einen kann ich mich in diesen Stunden mal komplett auf den Kleinen konzentrieren, denn dieser kam im vergangenen Jahr einfach viel zu kurz und lief tagsüber nur so mit. Erst abends und nachts, wenn der Große schlief, hatte er Mama und Papa ganz für sich alleine zum Kuscheln, Spielen und allem was dazu gehört. Nun gehört der Vormittag nur ihm und mir. Wir besuchen einen Spielkreis und starten in den kommenden Wochen mit dem Kinderturnen. Alles das, was ich mit dem Großen allein und in dem vergangenen Jahr eben auch mit beiden Kindern gemeinsam unternommen habe.

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Ein weiterer für mich wichtiger Grund ist auch, dass der Große Kontakt zu gleichaltrigen Kindern knüpft. Dass er lernt, sich in der Gruppe durchzusetzen, aber auch anzupassen. Eben diese Kompetenzen, die er später für die Schule benötigt. Zudem schätze ich, dass die Erzieherinnen in seiner Gruppe sehr kreativ sind. Es wird gebastelt, gemalt, gesungen, getanzt, geturnt, gebacken, gekocht und verschiedene Themen behandelt. Zum Beispiel das Thema Herbst. Dabei wurde mit Kastanien, Eicheln, Blättern und Co. gebastelt, es ging gemeinsam zur Kartoffelernte aufs Feld (ein örtlicher Landwirt organisiert diese Aktion jedes Jahr gemeinsam mit der Einrichtung) und es wurde ein Herbstfest mit vielen Spielen und Leckereien rund um die Kartoffel und den Apfel veranstaltet. Aktuell dreht sich alles Rund um das Thema Weihnachten.

Ein weiterer Vorteil des täglichen Kindergarten-Besuchs des Großen ist die gesteigerte Ausgeglichenheit innerhalb der Familie, denn die Vollzeit-Betreuung von zwei kleinen Kindern war besonders in den letzten Monaten schon ziemlich hart. Nicht nur für mich, sondern auch für die Kinder, denn irgendwer kam immer zu kurz oder hat geweint, weil der eine dem anderen etwas weg genommen hat, der eine gehauen hat usw.

Rückblickend hat der Sohn in den vergangenen drei Monaten enorm viel gelernt und sich weiterentwickelt, sodass ich ruhigen Gewissens sagen kann, dass der Kindergarten ihm gut tut. Das tägliche Feedback der Erzieherinnen beim Abholen spielt für mich dabei auch eine wichtige Rolle, denn sie sind ehrlich und verheimlichen mir nichts. So sagen sie beispielsweise offen, wenn er mal geweint oder gebockt hat und was der Auslöser dafür war, wenn es Streit unter den Kindern gab oder wenn er nur durch eine große Überredungskunst mit in den Wald gelaufen ist. Aber natürlich werden mir auch die erfreulichen Nachrichten übermittelt, wie zum Beispiel besondere Erlebnisse oder die Freude des Sohnes beim Tanzen.

Ich bin zufrieden mit den Erzieherinnen und weiß, dass mein Kind bei ihnen in guten Händen ist. Und ich merke immer mehr, wie gut dem Sohn der Kindergarten für seine Entwicklung tut.

2 Kommentare zu “Mama, warum muss ich in den Kindergarten?

  1. Ich finde Kindergarten auch total wichtig, er hat die Funktion übernommen was früher in der Gesellschaft so nebenbei lief. Kinder brauchen irgendwann auch andere Personen um sich und nicht nur Mama und Familie um sich langsam an die Gesellschaft zu gewöhnen und ganz wichtig wie du auch sagst, Kinder und zwar welche die nicht Geschwister sind, sondern Freunde und auch Feinde. Früher machte man die Tür auf und da lag der Kindergarten auf der Straüße, die anderen Kinder und die Nachbarn die mit erzogen, das gibt es leider kaum noch. Ich bin früher auch im Dorf herumgestromert, da war die nette Bäuerin die mich mit in den Stall nahm, oder der nette ältere Mann, der mir seine Hasen auf den Arm setzte zum streicheln. Heute hat jeder Hintergedanken bei so etwas 😉 – diese heile Welt gibt es nicht mehr und deshalb sind es heute die Erzieher die als außerfamilieres Vorbild dienen, ob sie sich darüber immer bewusst sind? Zum Glück hat meine Große einige ihrer Granatenerzieherinnen nicht als Vorbild genommen, puhh

    • nordhessenmami

      Liebe Martina,

      bei mir war es in meiner Kindheit ähnlich. Zwar habe ich Vormittags den Kindergarten besucht, aber Nachmittags war in unserer Straße immer etwas los. Nach den Hausaufgaben und dem Mittagessen ging es direkt nach draußen auf die Straße, wo die Nachbarskinder schon warteten. Wir spielten stundenlang. Langeweile kannten wir nicht. Die anderen Eltern waren sehr großzügig und hilfsbereit, hatten immer ein Auge auf uns. Heute wohne ich noch immer in der selben Straße. Um uns herum wohnen nur noch die Eltern meiner damaligen Freundinnen und Freunde – also nur ältere Herrschaften. Unsere Jungs werden in den nächsten Jahren, abgesehen von den Kiga- Kindern, leider nicht so tolle Spielpartner haben, wie ich es damals hier vor der eigenen Haustüre hatte.

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