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Zum ersten Mal mit Papa beim Eishockey

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Meine Frau und mich verbindet abseits unserer Ehe eine weitere große Leidenschaft, die Kassel Huskies. In den kinderlosen Jahren besuchten wir gemeinsam die Spiele mit Dauerkarten in der Eissporthalle und gestalteten so auch unser Ausgehen zusammen. Jeder hatte dort seine Leute mit denen man sich während des Spiels beschäftigte, aber wir waren doch immer zusammen dort. Nun bekamen wir die Kinder und meine Frau „opferte“ die Huskies dafür, aber es war okay, dass ich weiter die Spiele besuche. Fairerweise muss man auch sagen, dass das Interesse ihrerseits etwas abgeschwächt war. Irgendwann wollte ich natürlich auch mal den Nachwuchs mit zum Spiel nehmen, wenn sie denn soweit sind. Dass dies so früh der Fall sein sollte, hätte ich mir nicht träumen lassen.

So saßen wir also am Sonntag vor zwei Wochen auf dem Sofa und mir fiel ein, dass das erste Bully bereits um 17 Uhr stattfinden sollte. Die perfekte Zeit eigentlich um den Großen mit zum Spiel zu nehmen, da er meist zwischen 19 und 20 Uhr ins Bett geht. Also stellte ich ihm die alles entscheidende Frage: „Willst du heute mit Papa zum Eishockey?“ – „Heute?“ – „Ja, heute.“ – „Haben die da auch einen kleinen Helm und einen Schläger?“ (Er will auch selbst Eishockey spielen und erzählt häufig davon) – „Wir wollen heute nur den Huskies zugucken.“ – „Jaaaaa.“ Irgendwie habe ich nicht damit gerechnet, denn er ist eigentlich recht Mama-fixiert und wenn wir so Vater-Sohn-Dinge machen wollen, ist oft viel Überzeugung notwendig, außer wenn es ums Schwimmbad geht, das geht immer.

Meine Frau hat unsere kleine Unterhaltung nicht mitbekommen und stolz erzählte der Große der Mama, dass er heute mit Papa zum Eishockey geht. Dabei leuchteten seine Augen wie die meinigen als er sagte, dass er mitkommt. Papas große Leidenschaft und der Sohn kommt mit, wie geil ist das denn? Ich machte mir von nun an Gedanken, wie ich das am besten hin bekomme, dass er sich dort wohl fühlt mitten unter den anderen Fans auf einem Stehplatz. Ob das Umfeld geeignet ist und ob er wirklich schon reif dafür ist. Braucht er Ohrenschutz, etc…

Ab jetzt hallten „Manu Klinge, Manu Klinge“ und „Manu Klinge ist ’ne Frau“ durchs Haus. Am Vormittag statteten wir meinen Eltern einen Besuch ab und auch denen erzählte er voller Stolz, dass er heute mit zum Eishockey und die Huskies anfeuern will.

Nach dem Mittagsschlaf habe ich mich nochmal rückversichert ob er denn wirklich Lust hat und er war immer noch Feuer und Flamme. So brachen wir dann auch zusammen auf. Zuerst gab es noch ein paar Abnabelungs-Probleme, aber das war am Ortsschild von Kassel bereits komplett gegessen. Ab jetzt wurde ich gefragt, warum ich über rote Ampeln fahre (er guckte auf die Fußgänger-Ampeln), wo der Motorrad-Fahrer hinter uns hin will und ob alle anderen Autos denn auch zu den Huskies fahren. Wahnsinn, was in seinem Kopf vorgeht, das lässt mich jeden Tag aufs neue erstaunen.

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Nachdem wir das Auto auf dem Parkplatz abstellten, wartete auf dem Weg zur Eissporthalle schon das nächste Highlight auf den Sohn. „Was macht denn die Polizei und der Krankenwagen hier?“ Ich habe ihm das dann kurz erklärt und bin kurzerhand weiter mit ihm in den Fan-Shop, denn schließlich braucht man beim Eishockey ja ein Fan-Trikot. Erfreulicherweise hatten die Huskies auch Kindertrikots und in seiner Größe gab es die Rückennummer 13 vom Michael Christ, einem in Kassel geborenen Spieler. Mit der 13 trägt er zudem noch das Geburtsjahr des Großen auf dem Rücken – Perfekt. Er wollte es gar nicht mehr ausziehen und so bezahlte ich und wir gingen weiter zum Eingang.

Nachdem meine Dauerkarte gescannt wurde – der Sohn darf gratis rein – ging es durch die Champions-Bar zum Heuboden. Hier wuselte er sich durch etliche Füße, um den Treppenaufgang zu Papas Stammplatz zu finden. Oben angekommen bewahrheiteten sich die ersten Befürchtungen zum Glück nicht, denn die Halle war recht leer. Die sommerlichen Temperaturen und die vergangenen beiden Huskies-Spiele ohne eigenen Treffer und zehn Gegentoren schienen sich auszuwirken. Schlecht für die Kasse der Huskies, gut für uns. Das Aufwärmen der Spieler war gerade beendet und die Eismaschine bekam ihren Auftritt. Sehr faszinierend für den Sohn, der die Zamboni nicht aus den Augen ließ. „Wo fährt die denn dann hin, Papa?“ „In die Garage, aber das siehst du von hier oben nicht.“

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Als die Eismaschine das Eis verließ und die Fahnenträger das Eis betraten, hob ich den Nachwuchs auf die Stange, die ich vor Jahren mal mit Rohrisolation und Klebeband gepolstert habe. „Papa, warum ist hier Klebeband?“ – Ich habe ihm den Unterschied zu den anderen Stangen gezeigt und er war froh, dass er weich sitzen konnte. Am Rücken gestützt von Papas Oberkörper verfolgte er gespannt die Einlaufzeremonie der Huskies, wo die Spieler einzeln aufgerufen werden und das Publikum den Nachnamen ergänzt. Ab hier gab es nicht mehr allzuviel Konversation, denn es wurde laut auf dem Heuboden. Den Sohn beschäftigte neben dem Spiel aber noch etwas ganz anderes… Herkules, das Maskottchen der Huskies. „Papa, was macht denn der Bär da?“ – „Das ist ein Husky. Der geht rum und klatscht mit den Leuten.“ – „Kommt der auch zu uns?“ – „Bestimmt.“ Nach 17 Minuten fällt das erste Tor für die Huskies und das Ramalama-Dingdong wird zum ersten Mal gespielt. Dabei wedeln die Zuschauer mit ihren Fan-Schals über den Köpfen. Der Sohn ist begeistert.

Drittelpause. Wir begeben uns zu den Sitzplätzen, da der Sohn sich die Eismaschine aus der Nähe anschauen will. „Papa, jetzt sehe ich die Garage.“ Ich dachte mir schon, dass das kommt. Nun ging es die Treppen hinauf zum Brezel- und Getränkestand. Dabei wurde er von den umstehenden Fans genau gemustert in seinem neuen Trikot. Ich bestellte uns drei Brezeln und wir holten uns noch zwei Getränke dazu. Der Große wollte irgendwie nicht mehr auf den Heuboden.

Im zweiten Drittel sind wir dann auf einen Sitzplatz umgesiedelt, was möglich war, da die Halle mit ~2500 Zuschauern nicht mal zur Hälfte gefüllt war. Hier sollte dann auch der Herkules seinen Auftritt mit uns bekommen. So richtig wollte der Sohn aber nicht mit ihm interagieren und so musste der Papa dem Maskottchen „Fünf geben“ – es gibt Schlimmeres. Im zweiten Drittel fiel dann zuerst der Ausgleich, bevor die Huskies erneut in Führung gingen. Für den Sohn war allerdings der Herkules und der Trommler auf dem Heuboden interessanter, was auch völlig okay war. Als es zum Pausentee ging, wollte ich eigentlich zur Toilette, aber bekam nur „Papa, wenn die Eismaschine fertig ist und in die Garage gefahren ist, dann gehen wir Pipi machen.“ zur Antwort.

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Als wir dann das kleine Geschäft erledigt hatten und gerade wieder Platz genommen hatten, wollte der Nachwuchs noch so eine „Brezel mit Zucker“. Er hatte schon zwei der Drei gegessen, aber gut, wir flitzten also nochmal schnell hoch zum Brezelstand und es gab die dritte für den Sohn, die er auch im dritten Drittel noch komplett zu sich genommen hat. Dieses Drittel war es auch, wo er anfing und nach Hause wollte. Ich dachte eigentlich, dass wir schon zehn Minuten nach Spielbeginn an diesem Punkt gewesen wären. Aber sechs Minuten vor Schluss wollte ich nun auch nicht die Halle verlassen und so erklärte ich ihm, dass das Spiel bald vorbei sei und wir bald nach Hause fahren. Nach dem Spiel fuhr die Mannschaft noch in die Kurve, um sich bei den Fans zu bedanken. Allen voran Michael Christ, dessen Trikot der Junior das ganze Spiel trug.

Nachdem wir die Halle verließen, fragte er mich was die Spieler, der Husky oder auch die Leute vom Roten-Kreuz jetzt machen. Als ich ihm die Antwort lieferte fragte er erneut – das Spiel ging bis zum Auto so. Auf dem Heimweg erzählte er von seinen Eindrücken und quasselte ununterbrochen. Auf die Frage hin, wie er es fand, bekam ich ein „schön“ zur Antwort, was mich sehr, sehr glücklich machte. Zu Hause angekommen, war er so aufgedreht, dass er die Mama erst gar nicht beachtete. Sie stieg dann über das Trikot ins Gespräch ein. „Du hast ja auch so ein Trikot wie Papa.“ Sohn: „Klar, bin ja auch ein Mann. <Pause> Manu Klinge ist ne Frau.“ So haben wir zum Abschluss des Abends noch einen herrlichen Lachflash gehabt und anschließend den Nachwuchs ins Bett gebracht. Das Trikot bekam natürlich einen Ehrenplatz in der Nähe des Betts. In den anschließenden Tagen zog er dies sofort an als er aus dem Kindergarten kam.

Für mich war es ein unbeschreiblich tolles Erlebnis und defintiv der beste Vater-Sohn-Moment bis dato. Ich war so unglaublich emotional geladen von diesem Nachmittag konnte am Abend kaum einschlafen. Mal schauen, wann der Sohn das nächste Mal den Papa zum Eishockey begleiten möchte, ich freue mich schon riesig darauf.

Gastbeitrag von nordhessenpapi

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