Familienleben

Kleider machen Leute, sogar beim Buggy-Kauf

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Neulich schauten wir uns nach einem Buggy für den großen Sohn um und dort ist uns etwas passiert, was ich kaum für möglich gehalten hätte. Ich  habe mich so sehr über diese Situation geärgert und ärgere mich immer noch, dass ich mir den Ärger hier von der Seele schreiben und dich dran teilhaben lassen muss.

Mit der Absicht einen Buggy für unseren großen Sohn zu kaufen, betraten mein Mann, unser großer Sohn und ich ein Babyfachgeschäft. Wir gingen gleich zu den Gefährten und schauten uns um. Im Grunde wussten wir ziemlich genau was wir wollten und über welche Funktionen der Buggy verfügen sollte. Wir hatten sogar schon zwei Modelle in die engere Auswahl gezogen. Während wir uns die Buggys anschauten bemerkten wir schon die kritischen Blicke der Verkäuferinnen, die sich zu einer Traube an dem Verkaufstresen versammelten und über uns reden zu schienen. Ihre Blicke wanderten dabei immer wieder von oben nach unten und von unten nach oben.

Mein Mann und ich konnten uns leider nicht zwischen den beiden Buggys, welche wir bereits vorab in die engere Auswahl genommen haben, entscheiden. Wir warteten schließlich auf eine Verkäuferin, die uns mit ihrem Fachwissen für eines der beiden Modelle überzeugen sollte. Wir schauten immer wieder voller Erwartung zu den Verkäuferinnen, sprachen sogar zwei von Ihnen an: „Entschuldigen Sie bitte, …“ und wurden stehen gelassen.

Andere Kundinnen und Kunden wurden hingegen voller Freude bereits am Eingang vom Personal mit einem aufgesetzten Animateurs-Lächeln in Empfang genommen und freundlichst bedient. Schnell war uns klar, woran dies vermutlich lag: Kleider machen Leute, taufte schon Gottfried Keller seine Novelle.
An diesem Tag waren wir leger gekleidet, hatten beide unsere super bequemen Chucks an, dazu eine Jeans und ein T-Shirt. Eben bequem, dennoch stylisch und für die Freizeit absolut angemessen. Anscheinend sahen wir jedoch nicht danach aus, als könnten wir uns einen Buggy leisten.

Irgendwann bekamen wir doch noch eine Beratung von einer der kompetenten Verkäuferinnen. Sie riet uns jedoch mit den Worten „für diese Art Buggy benötigen Sie ein großes Auto“ von beiden Buggys ab und verschwand wieder in der Traube von Verkäuferinnen hinter den Verkaufstresen. Mein Mann und ich schauten uns schockiert an und konnten nicht begreifen, was dort gerade geschehen war. Wir gingen an den Verkäuferinnen vorbei und ich musste zur Verärgerung meines Mannes erst einmal mit den Worten „Hier möchte man wohl kein Geld verdienen“ Luft raus lassen. Wir verließen das Geschäft und stiegen in unseren Mazda 5 ein, wo womöglich vier dieser Buggys reinpassen würden und fuhren nach Hause.

Zu gerne hätte ich direkt im Anschluss getestet, was wohl passiert wäre, wenn wir kleidungstechnisch leicht verändert dieses Geschäft noch einmal betreten hätten. Ich hätte dazu einfach die bequemen Chucks gegen meine Pumps sowie mein T-Shirt gegen eine lockere Bluse getauscht und auch mein Mann hätte sein Freizeit- gegen sein Arbeitsoutfit getauscht. Was denkst du? Ich bin im Nachhinein fast davon überzeugt, dass wir kompetenter beraten worden wären.

Das Babyfachgeschäft habe ich seitdem jedoch nicht wieder betreten und werde es vermutlich auch nicht mehr tun. Zu groß war die Enttäuschung.

Im Übrigen habe ich aber auch schon ganz andere Verkaufssituationen erlebt, in denen ich sehr höflich bedient wurde. Zum Beispiel haben wir ein paar Orte weiter einen Waffelwerksverkauf, dort wollte ich einige Kisten mit Waffeln und Schokoküssen für meine und die Arbeitskollegen/innen meines Mannes kaufen. Die Auswahl war groß und vor lauter Kartons konnte ich mich sehr schwer entscheiden. Der Mitarbeiter kümmerte sich rührend um den großen Sohn, gab ihm kostenlos Süßigkeiten und sagte immer wieder: „Die Mama kann erstmal in Ruhe schauen, du kannst dich hier hin setzen und darfst das naschen.“ Währenddessen beriet er mich und half mir sogar noch beim Tragen. In solchen Situationen ist man anschließend völlig geflasht von der Höflichkeit, welche einem gegenüber gebracht wurde. Weißt du was ich meine? Man merkte, der Mann hat Freude an seinem Beruf und verstellt sich nicht. Bei mir löst das aus, dass ich immer wieder gern an diese Situation zurück denke und wieder dort kaufen werde.

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