Familienleben

Die Angst vor einer erneuten Frühgeburt

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Ich habe Angst, große Angst – vor einer zweiten Frühgeburt. Und diese unbeschreibliche Angst wird von Zeit zu Zeit immer größer. Durch die viel zu frühe und spontane Geburt unseres ersten Sohnes in der 34+6 SSW bin ich nun in dieser Schwangerschaft für eine erneute Frühgeburt vorbelastet. Dies machten mir mein Frauenarzt und meine Hebamme bereits zu Beginn der Schwangerschaft klar.

Von Anfang an war die Schwangerschaft von Schmerzen geplagt. Zu Beginn mit leichteren auszuhaltenden Schmerzen und mittlerweile kämpfe ich nahezu täglich mit starken Schmerzen im Unterleib, teilweise kann ich kaum laufen und muss mich hinlegen.
Laut der Aussage des Arztes kommen die Schmerzen durch das Wachsen des Babys, das Dehnen der Bänder im Bauch, das Tragen des Sohnes oder die körperliche Überbeanspruchung durch den Haushalt. Mit dem Baby ist zum Glück alles in Ordnung und es wächst weiterhin fleißig.
Letzte Woche warnte mich jedoch der Arzt bei der Vorsorgeuntersuchung und machte mir wieder einmal deutlich, dass eine Frühgeburt sehr wahrscheinlich ist und wenn ich mich nicht endlich schonen würde, würde er mich stationär in das Krankenhaus einweisen. Schließlich befinde ich mich erst in der 26. SSW und muss noch ein bisschen aushalten.

Nun denke ich täglich an diese schlimme Situation. Ich stelle mir vor, wie ich im Krankenhaus liege, getrennt von meinem Sohn – meinem Baby, den ich bereits vermisse, wenn er nur mal einen Nachmittag bei Oma und Opa verbringt. Ich könnte ihn morgens nicht aus seinem Bettchen holen, sein Frühstück zubereiten, mit ihm spielen, mit ihm toben, mit ihm kuscheln, ihn abends ins Bett bringen,… Ich würde ihn so unbeschreiblich doll vermissen. Zudem habe ich seit seiner Geburt das Befinden, dass sich niemand auch wirklich niemand so gut um ihn kümmern kann wie Mama oder Papa. Natürlich ist das absoluter Quatsch, zumal beispielsweise die Omas und Opas auch mehrere Kinder groß gezogen haben und sich bestens um ihn kümmern würden. Das weiß ich einfach. Vermutlich habe ich jedoch durch die Frühgeburt einen etwas stärkeren Mutterinstinkt und eine größere Bindung zu ihm als üblich.
Zudem wäre ich bei einem vorzeitigem Krankenhausaufenthalt von meinem Mann getrennt, ohne den ich keine Nacht verbringen könnte. Dazu kommt, dass man ständig Hilfe für den Haushalt oder das Kind in Anspruch nehmen müsste. Und gerade ich lasse mir sehr ungern von anderen im Hauhalt helfen. Ich könnte mir nicht einmal vorstellen eine Reinigungskraft zu arrangieren. Dies liegt nicht daran, dass es bei uns besonders unordentlich ist oder das wir etwas zu verheimlichen haben. Ich lasse mir einfach grundsätzlich sehr ungern helfen und hätte ein schlechtes Gewissen, dass jemand unseren Dreck wegmachen müsste. Auch wenn derjenige dafür bezahlt wird, es ist mir eben unangenehm. Kannst du verstehen was ich meine?

Ich denke, die Warnhinweise des Arztes waren gar nicht so verkehrt, zumal er mir damit ja nichts böses anhaben möchte. Ich habe mir seine Worte sehr zu Herzen genommen und achte nun vermehrt auf mich und das Baby. Der kleine Mann wird nur noch aus wichtigen Gründen gehoben. Gewickelt wird seit diesem Zeitpunkt auf dem Fußboden. Zum Spielen legen wir uns gemeinsam auf den Teppich. Abends bringt mein Mann ihn ins Bett. Im Haushalt mache ich nur so viel wie ich für richtig und gut für mich halte. Den Rest muss auch hier leider mein Mann nach der Arbeit oder am Wochenende übernehmen. Während der Sohn seinen Mittagsschlaf macht, lege auch ich mich hin, um meinem Körper etwas Ruhe zu gönnen.
Leicht fällt mir dies jedoch alles nicht, denn ich kann es gar nicht leiden, wenn es um mich herum unordentlich ist oder ich vom Sofa aus Arbeit sehe. Ich hoffe jedoch, dass ich durch diese Änderungen die Schmerzen etwas mindern kann und dass ich von einem vorzeitigem Krankenhausaufenthalt davon komme.

Es bleiben jedoch immer noch diese Ängste vor einer zweiten Frühgeburt. Die Angst, dass das Kind nicht gesund beziehungsweise unzureichend entwickelt zur Welt kommt.
Die Angst, vor allem was nach der Geburt kommt. Davor, dass ich wie bereits nach der Geburt unseres Sohnes das Würmchen nicht bonden kann, wobei gerade das Bonding in der ersten Zeit nach der Geburt so wichtig für die Mutter und das Kind ist. Unser Sohn lag nach seiner Geburt nur wenige Sekunden auf meiner Brust, ehe er auf die Neo-Intensiv Station gebracht wurde. Nach einigen Tagen wurde er aus Platzmangel auf die Kinder-Onkologie verlegt. Diese traurigen Erlebnisse und Bilder dieser beiden Stationen, sowie die unzureichende Nähe zu meinem Kind direkt nach der Geburt und die darauffolgenden Tage werden mich wohlmöglich mein ganzes Leben lang begleiten und ich habe Angst, dass ich diese schlimme Zeit ein zweites mal durchleben muss.

Ich wünsche mir von Herzen, dass sich unser zweites Wunschkind noch lange in meinem Bauch wohl fühlt und weiterhin wächst, damit es schließlich zum errechneten Termin – gern auch ein paar Tage früher oder später zur Welt kommt.

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